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...ist ansteckend und macht Fernweh! Geschichten und Infos rund um die 2.schönste Sache der Welt. "Reisen ist eine gute Art die Welt so zu sehen wie sie wirklich ist." (Zitat, Sergio Bambaren)




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Cambodia 2006

19
Jan
2006

Die Tempel von Angkor

Die Sonne war schon längst untergegangen, als ich in Siem Reap ankam. Geprägt von dem was ich bisher in Cambodia gesehen hatte, war ich nicht so richtig darauf vorbereitet, was mich in dort erwartete. Ich schätze fast 50 Fahrer kämpften um meine Gunst und die meiner Mitreisenden, als wir aus dem Bus stiegen. Polizisten hatten ein Absperrgitter aufgestellt und hielten die "Meute der Serviceleister" zurück. Ich versuchte locker zu bleiben, doch ständig wurde ich festgehalten oder angesprochen. Es schien so, als würden die Tuk-Tuk- und Motobike-Fahrer um ihr Leben schreien. Letztendlich entschied ich mich für einen jungen Kambodschaner, der mir anbot, mich kostenlos zu einem billigen Guesthouse zu fahren.

Auf der Fahrt zu meinem Nachtlager passierten wir Hotels, Restaurants, Villen - alles ganz im Gegensatz zu dem, was ich bisher gesehen hatte. Trotz der Armut, die einem überall in Cambodia begegnet, war ich bisher immer beeindruckt und das wichtigste: ich habe mich immer wohl gefühlt. In Sieam Riep war das nicht so. Irgendwie hatte ich ein komisches Gefühl. Am Zielort angekommen, entpuppte sich das billige Guesthouse als ein "kleiner Palast". Es war wohl die beste Behausung, in der ich auf meinem ganzen Trip nächtigen durfte. Erst reagierte ich, in meinem komischen Gefühl bestärkt, zurückhaltend und wollte eigentlich nicht bleiben. Doch nur 5$ Übernachtungskosten und ein zu gemütliches Bett überzeugten mich schnell.

Nachdem ich geduscht hatte, sicherte ich mir einen Fahrer für den nächsten Tag, der mich zu den Tempeln von Angkor bringen und auch dort während des Tages mein Begleiter sein sollte. Um meinen Besichtigungsplan zu verwirlichen verabredete ich mich mit dem Fahrer für 5 Uhr am nächsten Morgen.

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Ta Prohm Tempel

Angkor bezeichnet eine Region nahe der Stadt Siem Reap in Kambodscha, die vom 9. bis zum 15. Jahrhundert das Zentrum des historischen Khmer-Königreiches Kambuja bildete. Weltbekannt wurde Angkor durch die noch heute sichtbaren Zeugnisse der Baukunst der Khmer in Form einzigartiger Tempelanlagen - allen voran durch den Angkor Wat, den größten Tempelkomplex der Welt. Auf einer Gesamtfläche von mehr als 200 km² wurden nacheinander mehrere Hauptstädte und in deren
Zentrum jeweils ein großer Haupttempel errichtet. Bis heute wurden bereits mehr als 1000 Tempel und Heiligtümer unterschiedlicher Größe entdeckt. In Angkor lebten am Höhepunkt des historischen Königreiches rund 1 Million Menschen, mehr als in jeder europäischen Stadt dieser Zeit.

Das Zauberwort heißt "antizyklisch"

Nach eingehendem Studium meines Reiseführers und vielen Gesprächen mit andere Travellern, hatte ich einen Plan ausgeheckt, um den Besucheransturm zu entkommen. Das Zauberwort meines Plans hieß "antizyklisch", was bedeutete, dass ich versuchen wollte immer da zu sein, wo die Tourimassen, die mittlerweile schon auf täglich 10.000 Besucher angestiegen sind, gerade nicht sind.

Es war noch stockdunkel, als ich mit meinem Fahrer Phnom Bakheng erreichte. Yasodharapura, hieß die erste Stadt in Angkor. Der Haupttempel der Stadt wurde auf dem Phnom Bakheng erbaut, einem Hügel der sich etwa 60m aus der Ebene in der Angkor liegt erhebt. Ich war noch keine fünf Minuten unterwegs, als ich schon merkte, dass ich ungenügend ausgerüstet war. In völliger Dunkelheit stolperte ich mitten durch den Dschungel den Berg hinauf. "Flip-Flops waren wohl doch nicht die richtige Entscheidung". Der Phnom Bakheng ist normalerweise der Top-Sonnenuntergangspunkt für Touris, da man von oben einen wunderbaren Blick auf Angkor Wat hat und die Sonne am Abend genau hinter den beiden Türmen verschwindet.

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Phnom Bakheng bei Sonnenaufgang

Meinem atizyklischen Plan folgend, startete ich meine Tour am Phnom Bakheng zum Sonnenaufgang. Es war schon unheimlich so ganz alleine durch den Urwald zu laufen. Erstens konnte ich rein gar nichts sehen und zweitens ließen mich immer wieder undefinierbare Tiergeräusche zusammenschrecken. Auch als ich oben angekommen war, konnte ich nur die Silhouetten des Temples erkennen, da der Mond die einzige Lichtquelle war. Mittlerweile war es halb sechs. Als die Sonne dann langsam aufging, wusste ich, dass ich eine gute Entscheidung getroffen hatte Phnom Bakheng als Startpunkt auszuwählen. In der Ferne erkannte man überall Tempel, die aus der Unendlichkeit des Urwaldes herausragten. Nebel hing noch zwischen den Baumwipfeln und gaben dem Ganzen noch zusätzlich eine mystische Atmosphäre. Gegen sieben Uhr kehrte ich zu meinem Fahrer zurück und wusste, dass sich die 20$ Eintritt jetzt schon gelohnt hatten. Zudem war mein Plan aufgegangen, da am Ende nur drei weitere Leute mit mir auf dem Tempelberg waren.

Meine Idiana Jones Kindheitsträume werden war

Mein Fahrer hatte sich noch mal abgelegt und schreckte verschlafen auf, als ich neben ihm stand. Es war immer noch sehr früh und kaum Leute unterwegs. Mein nächstes Ziel war Ta Phrom, der berühmte "Tomb Raider Tempel". Der Gebäudekomplex Ta Prohm, bestehend aus Tempel, Kloster, weiteren kleineren Gebäuden und der umgebenden Mauer mit Ecktürmen und Gopurams (Eingangspavillons). Errichtet wurde Ta Prohm vom späten 12. bis hinein ins 13. Jahrhundert unter der Regentschaft von König Jayavarman VII.. Eine besondere Stellung unter den Tempelanlagen von Angkor nimmt Ta Prohm wegen des halbverfallenen Zustandes ein. Die Restauratoren und Architekten der École française d'Extrême-Orient (EFEO), die ersten die in der Neuzeit begannen die Tempel zu restaurieren, beschlossen einen Tempel in dem Zustand zu belassen in dem sie die meisten vorfanden. Die Wahl fiel auf Ta Prohm. Die Vegetation und die herabgefallenen Mauersteine wurden nur soweit entfernt und gesichert, dass es Besuchern möglich ist die Anlage zu begehen.

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Tomp Raider Baum im Ta Prohm Tempel

Die beiden Wachmänner am Eingang des Tempels sagten mir, dass ich heute der Erste wäre, der Ta Prohm betrehte. Nicht ohne Stolz, dass mein Plan immer noch aufging, marschierte ich den Sandpfad Richtung Tempel entlang. Die Sonnenstrahlen fanden nur teilweise ihren Weg durch das dichte Dschungeldach. Jeder, der wie ich aus der Indiana Jones Generation stammt, kann in Ta Prohm seine Kindheitsträume ausleben. Der Urwald und der Tempel sind regelrecht verschmolzen. Die riesigen Wurzeln wachsen zwischen den Steinen des Tempels hindurch und beherschen das Bild. Ein großer Teil des Komplexes ist eingestürzt, aber die einstigte Pracht ist immer noch zu erkennen. Völlig alleine kletterte ich über Steine und Wurzeln und drang immer tiefer in den Tempel ein. Unzählige Gänge, Tore und die unbändige Natur, die den Tempel in den Jahrhunderten geformt hat wecken meinen Abenteurinstinkt. (Insgesamt gesehen, hat mich Ta Prohm auch von allen Tempeln am meisten beeindruckt.) Fast zwei Stunden kam ich aus dem Staunen nicht mehr heraus. Erst als der erste Touribus ankam und die ersten Omis die Treppen hochgetragen wurden, kehrte ich zu meinem Fahrer zurück. Angesichts dessen, dass ich die meiste Zeit barfuss gelaufen bin, da es mit dem Flip Flops sehr schwierig war, über die vielen, schiefen Felsen zu klettern, machte mich das Schild am Eingang dann doch stutzig: "DANGER. Please wear boots all the time. Beware of snakes!" Ups, dass hatte ich zuvor wohl übersehen...

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Dschungel greift auf die Tempel über

Auf dem Weg zu meinem nächsten Ziel, den Preah Khan Tempel, folgten wir einer schnurgeraden Allee mit riesigen Bäumen, bis wir die über zehn Kilometer lange Stadtmauer von Angkor Thom kreuzten. Die Mauer ist zusätzlich noch durch einen breiten Wassergraben gesichert. Über riesige Dämme, die alle mit vierundfünfzig bizarren Steinfiguren flankiert sind, gelangt man in die letzte bedeutende Hauptstadt der Khmer Epoche. Wir nahmen das südliche, der vier riesigen Eingangstore, die den alle vier Windrichtungen beherrschenden Gottkönig symbolisieren. In der wohl bedeutensten Ruinenstätte der Angkor-Tempel wird Überall restauriert und gewerkelt, denn seit 1992 gehören alle Tempel von Angkor Thom zum UNESCO Weltkulturerbe.

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Tunnelsystem in Preah Khan

Preah Khan scheint auf den ersten Blick nur aus Gängen zu bestehen. In jede Richtung gibt es schmale Tunnel, von denen man das Ende kaum erkennen kann. Auch hier hat der Dschungel schon teilweise seine Hand aufgelegt, doch die Hauptteile sind bzw. werden gerade restauriert. Preah Khan diente seinerzeit als Kloster und Schule für über 1000 Mönche. Während der Rekonstruktionsarbeiten an seiner Residenz Angkor Thom diente es auch als Sitz von König Jayavarman VII. Der Name bedeutet 'Heiliges Schwert' und er wurde dem Vater von Jayavarman VII gewidmet. Durch das spätere Wiederaufleben des Hinduismus wurden viele Buddha-Statuen zerstört. Der Tempel ist nicht so eindrucksvoll wie Ta Prohm, deshalb gönnte ich mir eine Pause und suchte mir ein ruhiges Plätzchen abseits der nun schon stark zunehmenden Touriströme.

Das Phantom

Als ich eine Woche zuvor nach Cambodia einreiste, lernte ich an der Grenze eine Frau aus England kennen. Ich sprach kurz mit ihr, doch ich fuhr ja nach Sihanouk Ville und sie stieg in den Bus nach Phnom Penh. Als ich in Siem Reap vier Tage später am Abend auf einem Markt meinen Hunger stillte, sah ich sie mit zwei kleinen Kindern. Während ich nun die Sonne Cambodias genoss, klopfte mir jemand auf die Schukter und da stand schon wieder diese Frau. Sie lächelte mich an und fragte mich etwas zu dem Tempel. Dann war sie auch schon wieder verschwunden. Eine seltsame Situation. In den nächsten Wochen hatte ich immer wieder das Gefühl sie im vorbeilaufen gesehen zu haben... aber vielleicht habe ich mir das auch nur eingebildet.

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Bayon Tempel

Mein nächstes Ziel war der Bayon Tempel. Der Bayon ist neben dem Angkor Wat die bekannteste und eindrucksvollste Tempelanlage in Angkor. Im späten 12. Jahrhundert begann König Jayavarman VII. mit dem Bau der neuen Hauptstadt des Khmer-Reiches, Angkor Thom (große Stadt). Im Zentrum der 9 km² großen, von einer Mauer umgebenen, etwa 1 km nördlich von Angkor Wat beginnenden Stadt wurde der Bayon als Haupttempel errichtet. Die Khmer waren zur Zeit der Errichtung Angkor Thoms teilweise Anhänger des Hinduismus und teilweise Buddhisten. Wie viele Tempel in Angkor spiegelte auch der Bayon den Synkretismus (Synkretismus bedeutet die Vermischung von religiösen Ideen oder Philosophien zu einem neuen System oder Weltbild.) der Khmer wieder und beherbergte sowohl hinduistische Götterbilder wie auch dem Buddha gewidmete Heiligtümer. Jayavarman VII. selbst war Anhänger des Mahayana-Buddhismus (im heutigen Kambodscha ist der Theravada-, auch Hinayana-, Buddhismus vorherrschend). So wurde das zentrale Heiligtum des Tempels dem Buddha geweiht.

Tempel der tausend Gesichter

Als ich den Bayon erreichte, stand die Sonne schon senkrecht und das Thermometer war auf weit mehr als 30 grad geklettertet. Auch die Toristenströme hatten nun ihren Höhepunkt erreicht, trotzdem wagte ich mich in das Getümmel. Das auffallendste architektonische Merkmal des Tempels sind die Türme mit den meterhohen lächelnden Gesichtern des Bodhisattva Lokeshvara. Noch ist nicht endgültig geklärt, ob das Gesicht des Königs als Vorbild für diese Darstellungen diente. Auf den meisten Türmen sind vier Gesichter zu sehen die nach den vier Haupthimmelsrichtungen ausgerichtet sind. Insgesamt beträgt die Anzahl der Gesichter rund 200. Auf den ersten Blick sieht der Bayon sehr konfus und zerfallen aus, aber betrachtet man ihn näher, erkennt man die vielen Details, unterschiedlichen Gesichter und Statuen, die dieses Bild von außen erwecken. Obwohl ich in der Tempelanlage an fotosüchtigen Japanern und scheintoten Europäern vorbeidrängeln musste, um überhaupt einen Blick auf die lachenden Gesichter zu erhaschen, beeindruckte mich der Bayon zusehens. Man hat das Gefühl, von allen Seiten beobachtet, bzw. angelacht zu werden. Eine Mischung aus Mystik und dem angenehmen Gefühl unter gut gelaunten Menschen zu sein.

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Bayon: Tempel mit über 200 verschiedenen Gesichtern

Nach einem mehr als teurem Mittagessen (kleines Wasser für 1$ !) stand mein letzter großer Tempel auf dem Programm. Angkor Wat. Es war nun Mittag und die heißeste Zeit angebrochen. Aber auch die Zeit, in der die geführten Touren, alle zum Essen nach Siem Reap zurückkehren. Es war nun an die 40 Grad, aber dafür, hatte ich Angkor Wat, die größte Tempelanlage der Welt praktisch für mich alleine. Maximal 30 Leute waren gleichzeitig mit mir unterwegs, was auf einem Gelände, dass 2km breit und 3km lang ist, gar nichts ist.

Angkor Wat: die größte Tempelanlage der Welt

Die Herrscher der Khmer sahen sich als Gottkönige. Jeder von ihnen ließ sich einen eigenen Tempel errichten, der einer Gottheit geweiht war. Der König spiegelte mit seinem Tempel somit gleichzeitig den jeweiligen Gott wider, mit dem er sich nach seinem Tod vereinen sollte. Dieser hinduistische Brauch gipfelte im Bau des Tempels Angkor Wat, in welchem Surjawarman II. hoffte, sich nach seinem Ableben mit der Gottheit Vishnu zu vereinigen. Die Gebäude wurden aus kunstvoll gestalteten Sandsteinen zusammengesetzt. Die zahlreichen Kanäle der Anlage dienten den Arbeitern auch dazu, die riesigen Steinbrocken mit Flößen zu transportieren. Für den Bau wurden die Blöcke mit besonderen Schleifanlagen so bearbeitet, dass sie ohne erkennbare Zwischenräume aufeinandergesetzen werden konnten.Das Gebiet von Angkor Wat ist von einem 200 m breiten und 6 km langen Wassergraben umgeben, der den „Ur-Ozean“ darstellt. Dieser ordnet sich, zusammen mit den zahlreichen Bauten der Tempelanlage, in das Bild eines symbolischen Universums ein. Im Zentrum steht ein markanter Tempel mit fünf nach Lotusblüten geformten Türmen. Der größte Turm ist 65 m hoch. Angkor Wat fungiert als herausragendes nationales Symbol, das repräsentativ für die Khmerkultur und das heutige kambodschanische Volk steht. Es findet sich daher als Abbildung in vielfältigen staatlichen Zusammenhängen, auf der Nationalflagge, den Geldscheinen etc. Selbst in der Zeit des Regimes der Roten Khmer war eine goldene Silhouette des Tempels Teil der kambodschanischen Flagge.

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Angkor Wat: die größte Tempelanlage der Welt

Besonders beeindruckt hat mich die unglaubliche Größe Angkor Wats. Aber auch seine spirituelle Ausstrahlung: Schon fast erfürchtig lief ich durch die Gänge und Hallen und ließ mich von den Wandgemälden und Stautuen verzaubern. Nach einer ausgedehnten Besichtigungstour erklomm ich einen der Türme, über eine halsbrecheriche Treppe, die mit zehn Zentimeter Stufen, 60 Meter in die Höhe ragte. Oben angekommen, genoss ich die friedliche Atmosphäre und die Mittagsruhe. Ich hatte einen fantastischen Ausblick über das Tempelgelände und genoß den Moment.

Zufrieden kehrte ich am späten Nachmittag den Tempel von Angkor den Rücken. Ein Tag so voll von verschieden, intensiven Eindrücken, dass ich diesen wohl nie vergessen werde...

16
Jan
2006

Kinder töten Kinder

1975 wurde Phnom Penh von den roten Khmern eingenommen. Ihr Führer Pol Pot wollte den perfekten kommunistischen Staat schaffen. Als eine seiner ersten Amtshandlungen wurden fast eine Million Menschen zwangsweise aufs Land umgesiedelt und Phnom Penh entwickelte sich zu einer Geisterstadt in der nur noch die Soldaten der roten Khmer, die im Durchschnitt nicht älter als 15 Jahre alt waren, ihr Unwesen trieben. Nachdem die Amerikaner sich aus Vietnam zurückgezogen hatten und es kein anderer Staat für nötig hielt einzugreifen konnte Pol Pot ungehindert seine Schreckensherrschaft ausüben. Zuerst ließ er alle Mitglieder des Bildungsbürgertums: Ärzte, Lehrer, Wissenschaftler oder einfach nur Leute die eine Brille trugen zurück in die Hauptstadt bringen, um sie dann auf den Killing Fields oder im gefürchteten Gefängnis Tuol Sleng hinzurichten. Ab diesem Zeitpunkt gehörten Grausamkeiten und Folter in Phnom Penh zum Alltag. Um Munition einzusparen tötete man Gefangene mit einem Bambusstock durch einen gezielten Schlag auf den Hinterkopf. Mehr als 2.000.000 Menschen wurden in den folgenden Jahren getötet. Sie starben durch qualvolle Lebensbedingungen oder Hinrichtungen auf den Killing Fields.

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Massengräber auf den Killing Fields

Mein Bus nach Siem Reap sollte Phnom Penh um 12.30 Uhr verlassen. Also hatte ich den Vormittag um mir wenigstens einen Teil der geschichtsträchtigen Hauptstadt Cambodias anzuschauen. Ich bestellte einen Fahrer für halb acht morgens zu meinem Guesthouse, dass direkt am Boeng Kak Lake lag. Um dem morgendlichen Verkehrschaos aus dem Weg zu gehen empfahl mir der Fahrer erst in eines Außenbezirke Phnom Penhs zu fahren. Zu den Killing Fields. Mit seinem Tuk Tuk fuhren wir aus der Stadt raus vorbei an Reisfeldern, über staubige Straßen und den baufälligen Holzhütten, die das Bild überall in Cambodia prägen. Hätte man nicht gewusst wo die Killing Fields liegen, man hätte sie übersehen können. Sie unterscheiden sich auf den ersten Blick nicht von der restlichen Gegend. Überall grünt es, nur an manchen Stellen kann man Gräben erkennen und im Zentrum der Anlage steht ein Denkmal, ein Mahnmal.

Die Killing Fields sind kleiner als ich sie mir vorgestellt habe. Vielleicht hundert Meter lang und eben so breit. Die Sonne scheint, der Himmel ist blau, ein wunderschöner Tag, der so überhaupt nicht zu dieser Stätte passt. Ich bewege mich langsam. Fühle mich unbehaglich, als könnte man die Grausamkeiten die hier stattgefunden haben immer noch spüren. Was mich innerhalb der nächsten Stunde erwartete ist mit Worten fast nicht zu beschreiben.

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Mahnmal auf den Killing Fields

Ein Massengrab neben dem anderen. Teilweise haben sie die Leute ausgegraben, teilweise sind die Gräber noch in dem Zustand wie sie die Monster der roten Khmer zurückgelassen haben. Hier liegen 100 Leute begraben, dort 400 und ein Stück weiter gar 600 Leute. Männer, Frauen und Kinder. Jetzt stehe ich vor einem Grab mit einem Schild, dass hier über 100 Körper ohne Köpfe gefunden worden sind. Ich bin traurig und das flaue Gefühl hat sich in Übelkeit entwickelt.

Im Zentrum der Killing Fields steht ein Turm mit einer Glasfront auf der Vorder- und Rückseite. Ich laufe die Stufen nach oben, doch was ich jetzt zu sehen bekomme erschüttert mich bis ins Mark. Während auf dem Boden des Mahnmals ein Haufen dreckiger Kleider zu sehen ist, ist der Rest des Turms voll von Schädeln. Köpfe von Unschuldigen, die der Grausamkeit Pol Pots zum Opfer gefallen sind.

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Tuol Sleng, Gefängnis in Phnom Penh

Eine halbe Stunde später stehe ich am Eingang des gefürchteten Gefängnisses Tuol Sleng im Herzen Phnom Penhs. Der erste Eindruck erinnert eher an die Schule, die das Gefängnis auch vor der Zeit der roten Khmer gewesen ist. Nur der Stacheldraht weißt auf ein Gefängnis. Doch sobald ich den ersten Raum betrete, ist dieses unbehagliche Gefühl, dass mich schon auf den Killing Fields verfolgt hatte wieder da. Es scheint hier alles unverändert zu sein. Schreckliche Folterwerkzeuge lehnen an der Wand und an den Wänden, an der Decke und auf dem Boden ist sogar noch Blut zu erkennen.

Als nächstes betrete ich eine Halle. Sie ist wie eine Galerie aufgebaut. Überall hängen Bilder von Häftlingen Tuol Slengs. Angst, Schrecken und Folter sprechen aus den Augen. Die Soldaten der roten Armee, die selbst noch Kinder waren töteten Mütter, Väter und andere Kinder.

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Fotos der Opfer der roten Khmer

Als ich zu meinem Fahrer zurückkehre bin ich stumm vor Entsetzen und breche meine Stadttour ab. Pünktlich um 12.30 verlasse ich die Hauptstadt.

14
Jan
2006

The ail con is wolking

Zum ersten Mal war ich alleine unterwegs und das ausgerechnet in Cambodia. Selbst bzw. vor allem die Thais trauen den Khmern nicht über den Weg. „Be caleful, Cambodia vely dangelous“.

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Cambodia, unberührte Natur

Nichts desto trotz überquerte ich die Grenze. Es dauerte nicht lange bis mich ein junger Khmer unter seine Fittiche genommen hatte, um mich zum nächsten Busbahnhof zu bringen. Mein Ziel lag ganz im Süden Cambodias: Sihanouk Ville. Kurz darauf saß ich in einem alten Mercedes und sauste in die Fremde hinein. Schlechte Straßen? Von wegen. Alles einwandfrei – ich sollte mich zu früh gefreut haben. Am Bus, bzw. das was sie Bus nannten, angekommen, sollte es auch direkt los gehen. „No Bus, today Minivan, but Ail Condition“. Ok, hörte sich gut an. Mein Gepäck wurde verstaut und ich suchte mir einen Platz im Minivan (ein kleiner Bus, mit zwölf Sitzplätzen).

Wo bin ich hier eigentlich?

Es dauerte nicht lange und alle Plätze waren belegt, was für den Fahrer jedoch kein Grund war keine Leute mehr aufzunehmen. Am Ende waren es 21 Personen, die versuchten sich teils auf Plastikstühlen, teils auf dem Boden in eine annehmbare Sitzhaltung zu manövrieren. Das Thermometer war mittlerweile weit über 40 Grad gewandert und bereits nach fünf Minuten fahrt war es mit den guten Straßen vorbei. Für die nächsten neun Stunden gab es leider keine Straßen mehr, sondern nur eine Art Ackerpiste, aus der in der Regenzeit bis zu 30 Zentimeter tiefe Löcher heraus gewaschen worden sind.

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Straßen? Welche Straßen?

Schon nach wenigen Kilometern waren die Fenster so von Staub belegt, dass kaum noch etwas zu erkennen war. Als jemand Wasser verschüttete, bildete ich mir ein, dass er gleich sein Handtuch durch die Luft wirbelt und sagt: „Heute habe ich euch ein Minzeaufguss mitgebracht...“ Im selben Moment hörte ich wie sich jemand nach der versprochenen Klimaanlage erkundete. „The ail con is wolking, but can only wolk low, because otherwise engine is getting too hot“. Das war ja klar. Doch in diesem Moment erinnerte ich mich wieder daran wo ich eigetnlich war und was ich hier wollte. Ich war in Cambodia und hatte für die 350 Kilometer Fahrt nach Sihanouk Ville 5$ bezahlt. Ich war hier um ein Abenteuer zu erleben – das hier war Abenteuer, also was wollte ich mehr?

Mit einem großen Mixer ans andere Ufer

Ab diesem Zeitpunkt setzte ich ein Lächeln auf und die Fahrt begann Spaß zu machen. Mir war egal ob es im Bus 60 Grad war, ich Sand auf den Zähnen hatte, oder die Österreicher hinter mir sich ohne Unterbrechung beschwerten. Ich war im Urlaub – Abenteuerurlaub. Hoch runter, hoch runter, Schlagloch und der Fahrer gab Gas als ob es um sein Leben gehen würde. Nach ca. einer Stunde hielten wir das erste Mal an. Ein unüberwindbares Hindernis tat sich vor uns auf: Ein ca. 200 Meter breiter Fluß.

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Flußüberquerung in Cambodia

Brücken gibt es in Cambodia leider nicht - oder kaum. Es hatten sich schon einige Kraftwagen und Busse gestaut, die darauf warteten den Fluss zu überqueren. Auf das Schiff passten genau drei Autos oder zwei Busse mit Insassen. Die Fähre bestand aus vier Ruderbooten, die quer aneinandergeschraubt waren und über die einige Planken genagelt waren. Angetrieben wurde das Gefährt von einem Motor, der wie ein riesiger Mixer aussah, dafür aber den Krach eines Flugzeugtriebwerkes machte. Es dauerte insgesamt eine halbe Stunde bis wir auf der anderen Seite angekommen waren. Wie wir jetzt erfuhren, lagen noch fünf weitere Überquerungen vor uns. An den Flüssen gab es unzählige Stände, an denen Kinder kühles Wasser, frische Annanas oder irgendwelche Köstlichkeiten mit Reis verkauften. Außerdem boten sie uns Hängematten an um uns von den Busstrapazen zu erholen, während wir für ein paar Cent speisten wie die Könige. Mit einem Ohr hörte ich das Österreicher Pärchen immer noch über die Hitze klagen, doch in meiner Hängematte schaukelnd blickte ich auf den Fluss und die Palmen die über dem Wasser baumelten. Ich war im Paradies. Erst der Geruch meines vor Schweiß triefenden T-Shirts holte mich in die Gegenwart zurück. Auf dem letzten Stück unserer Fahrt saß ich neben einem Schweden, der mir ein (wie sich später herausstellen sollte) sehr cooles Guesthouse in Phnom Phen empfahl und mir vorschwärmte wie toll es doch sei, mit dem Boot nach Sihanouk Ville zu fahren... Nach neun Stunden hatte ich mein Ziel erreicht und ließ mich von einem Moto-Taxi ans Meer bringen...

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