Rien ne va plus

Oder die Geschichte vom größten Pannentrip aller Zeiten

Zehn Tage Südfrankreich. La Provence! Sonne, Meer, Lavendelfelder, einsame Strände und verträumte Dörfer. Für diesen Traum hatten wir einen Bulli gemietet und machten uns vergangenen Mittwoch auf den Weg. Bevor ich anfange über diesen unglaublichen Trip zu berichten eins vorweg: In der Zeit, in der wir keinen Huzzle oder Regen hatten, war die Reise genauso wie wir sie uns vorgestellt haben (dazu mehr in Kürze!). Doch nun die Geschichte vom größten Pannentrip aller Zeiten.


Foto: Am Lac de Sainte Croix, Gorges du Verdon, Mai 2010

An den ersten drei Tagen, regnete es oder war stark bewölkt. Wir schliefen bei teilweise 6 Grad im Bus. Angenehm ist anders – aber das konnte unsere Laune nicht wirklich verderben. Kurz vor Marseille meldete sich unsere Kühlwasseranzeige. Temperatur und Kühlwasserstand waren jedoch OK. Wir ließen den Motor abkühlen und alles war wieder im Lot. In Marseille parkten wir in einem überwachten Parkhaus. Als wir nach fünf Stunden zurück kamen war das Fenster der Schiebetür unseres Bullis eingeschlagen. Im Parkhaus hatten die beiden Wachleute natürlich nichts bemerkt und die Kameras zeichnen nicht auf (weil`s ja klar ist). Auf den ersten Blick wurde nichts geklaut. Wir verbrachten den halben Tag auf der Polizeiwache mit einer Kommissarin die nicht Mal ein Wort englisch sprechen konnte oder wollte. (Am Abend merkte ich: die Deppen hatten meinen Kulturbeutel geklaut! Und wir hatten keine Zahnbürsten mehr…)

Von Marseille fuhren wir mit kaputten Fenster (es war SO und alles geschlossen) in die Camargue und verbrachten den ganzen MO am Strand. Auf den Weg dahin meldete sich wieder unsere Kühlwasseranzeige. Nachts stürmte und regnete es in Strömen. Als Schutz für das kaputte Fenster diente uns eine in der Tür eingeklemmte Wolldecke. Am Morgen versenkte Jule unseren Bus im Sand. Nach einer halben Stunde wurden wir mit Hilfe freundlicher Franzosen jedoch wieder rausgezogen. Da wir kein Abschleppseil hatten kam unsere Slackline wenigstens dort einmal zum Einsatz.

Am DI in Arles checkten wir auf einem Campingplatz ein. Am Nachmittag hatten wir einem Termin bei Carglass – 150€ Selbstbeteiligung und wir hatten ein neues Fenster. Super Service. Super einfach. Dort verabredeten wir uns zusätzlich noch mit einem Pannenservice um dem Kühlwasser-Leuchten- Problem auf den Grund zu gehen. Der Bulli hat einen Versicherungs-Schutzbrief, der bei Pannen kostenlos genutzt werden kann. Vormittags schrieben wir noch „sorgfältig“ eine Liste mit französischem Autovokabular. Alles schien bestens zu laufen.

Ich lieferte einen einwandfreien Vortrag der Problematik auf Französisch und wir wurden mit neuem Fenster direkt abgeschleppt. Diagnose: Kühlerpumpe am Arsch und Zylinderkopfdichtung kaputt - soweit wir das auf Französisch verstehen konnten. Reperaturzeit: Mindestens eine Woche. Die Besitzer des Bullis glauben nicht an den diagnostizierten Schaden und wollten keine Reparatur, sondern nur einen Rücktransport. Da ein Bulli mit knapp 300.000 km jedoch so gut wie keinen Wert (außer dem Persönlichen) hat, wird der Rücktransport von der Versicherung nicht übernommen. Kostenpunkt 1100 €. (Die Besitzer sind gerade unterwegs nach Frankreich um den Bus selbst abzuholen! So ein Shit!)

Jetzt begann eine zweitägige Telefonodyssee mit der Versicherung (Ich will meine Telefonrechnung gar nicht sehen!). Sie buchten für uns ein Hotelzimmer in Arles. Mit dem Taxi ging´s zum Campingplatz, um unsere Buchung zu stornieren und Jules Ausweis wieder abzuholen. Im einzigen noch offenen Supermarkt bekamen wir immerhin noch eine Zahnbürste (für 3€) für uns beide :-). Am nächsten Tag sollten wir einen Mietwagen bekommen. In Avignon. Wenigstens etwas.

Telefongespräch am nächsten Morgen: Mietwagen, die man in Deutschland zurückgeben kann, ohne dass es den Versicherungswert überschreitet, gäbe es keine, da Feiertag und Vulkan wieder aktiv. Flüge wären sowieso zu teuer. Und jetzt? Nachdem wir einen weiteren halben Tag auf Anrufe der Versicherung gewartet und die Kosten einer Weiterreise ohne Bulli durchgerechnet hatten, beschlossen wir den Zug nach Hause zu nehmen. Wir kauften einen Koffer um wenigstens die Hälfte unser Sachen mit nach Hause nehmen zu können. Wegen eines technischen Defektes des Automaten wurde in Arles unsere Kreditkarte eingezogen. Nach kurzem Warten (das waren wir ja schon gewohnt) bekamen wir diese aber wieder.

Mittlerweile regnete es wieder in Strömen. Mit dem Zug kamen wir bis Paris und verpassten natürlich den letzten Anschluss nach Deutschland um 20 Minuten. Also: Übernachtung in Paris. Am nächsten Morgen weiter bis Aachen. Dann mit dem Taxi zurück zum Auto. Und mit dem Auto nach Hause.


Foto: Wir haben alles versucht !

Ich würde uns beide durchaus als positive Menschen bezeichnen – die sich von kleinen Rückschritten nicht so leicht aus der Bahn werfen lassen. Aber bei diesen riesigen uns in den Weg gelegten Steinen, mussten auch wir am Ende kapitulieren. Fazit: Provence wir kommen wieder! Mit gemietetem Bulli? Wohl eher nicht!

NACHTRAG: Der Bulli ist nicht kaputt. War nur ein Schaden in der Elektronik. Die in der Werkstatt haben uns also kräftig verarscht! Das ist leider das Los wenn man keine Ahnung von Autos hat! AaarghhhGrrr....Diese Penner!

reisen ¦ bulli ¦ frankreich ¦ provence

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Comments

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Ich habe einen Allzweck Rucksack, der mich schon bei...
Dieter (Gast) - 22. Jun, 13:00
Upps, Fehler, deshalb...
Upps, Fehler, deshalb nochmal: Naja, mit 1000€...
Sammy (Gast) - 13. Jun, 13:51
Naja, mit 1000€...
Naja, mit 1000€ kann man ja jetzt nicht unbedingt...
Sammy (Gast) - 13. Jun, 13:50

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