The ail con is wolking

Zum ersten Mal war ich alleine unterwegs und das ausgerechnet in Cambodia. Selbst bzw. vor allem die Thais trauen den Khmern nicht über den Weg. „Be caleful, Cambodia vely dangelous“.

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Cambodia, unberührte Natur

Nichts desto trotz überquerte ich die Grenze. Es dauerte nicht lange bis mich ein junger Khmer unter seine Fittiche genommen hatte, um mich zum nächsten Busbahnhof zu bringen. Mein Ziel lag ganz im Süden Cambodias: Sihanouk Ville. Kurz darauf saß ich in einem alten Mercedes und sauste in die Fremde hinein. Schlechte Straßen? Von wegen. Alles einwandfrei – ich sollte mich zu früh gefreut haben. Am Bus, bzw. das was sie Bus nannten, angekommen, sollte es auch direkt los gehen. „No Bus, today Minivan, but Ail Condition“. Ok, hörte sich gut an. Mein Gepäck wurde verstaut und ich suchte mir einen Platz im Minivan (ein kleiner Bus, mit zwölf Sitzplätzen).

Wo bin ich hier eigentlich?

Es dauerte nicht lange und alle Plätze waren belegt, was für den Fahrer jedoch kein Grund war keine Leute mehr aufzunehmen. Am Ende waren es 21 Personen, die versuchten sich teils auf Plastikstühlen, teils auf dem Boden in eine annehmbare Sitzhaltung zu manövrieren. Das Thermometer war mittlerweile weit über 40 Grad gewandert und bereits nach fünf Minuten fahrt war es mit den guten Straßen vorbei. Für die nächsten neun Stunden gab es leider keine Straßen mehr, sondern nur eine Art Ackerpiste, aus der in der Regenzeit bis zu 30 Zentimeter tiefe Löcher heraus gewaschen worden sind.

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Straßen? Welche Straßen?

Schon nach wenigen Kilometern waren die Fenster so von Staub belegt, dass kaum noch etwas zu erkennen war. Als jemand Wasser verschüttete, bildete ich mir ein, dass er gleich sein Handtuch durch die Luft wirbelt und sagt: „Heute habe ich euch ein Minzeaufguss mitgebracht...“ Im selben Moment hörte ich wie sich jemand nach der versprochenen Klimaanlage erkundete. „The ail con is wolking, but can only wolk low, because otherwise engine is getting too hot“. Das war ja klar. Doch in diesem Moment erinnerte ich mich wieder daran wo ich eigetnlich war und was ich hier wollte. Ich war in Cambodia und hatte für die 350 Kilometer Fahrt nach Sihanouk Ville 5$ bezahlt. Ich war hier um ein Abenteuer zu erleben – das hier war Abenteuer, also was wollte ich mehr?

Mit einem großen Mixer ans andere Ufer

Ab diesem Zeitpunkt setzte ich ein Lächeln auf und die Fahrt begann Spaß zu machen. Mir war egal ob es im Bus 60 Grad war, ich Sand auf den Zähnen hatte, oder die Österreicher hinter mir sich ohne Unterbrechung beschwerten. Ich war im Urlaub – Abenteuerurlaub. Hoch runter, hoch runter, Schlagloch und der Fahrer gab Gas als ob es um sein Leben gehen würde. Nach ca. einer Stunde hielten wir das erste Mal an. Ein unüberwindbares Hindernis tat sich vor uns auf: Ein ca. 200 Meter breiter Fluß.

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Flußüberquerung in Cambodia

Brücken gibt es in Cambodia leider nicht - oder kaum. Es hatten sich schon einige Kraftwagen und Busse gestaut, die darauf warteten den Fluss zu überqueren. Auf das Schiff passten genau drei Autos oder zwei Busse mit Insassen. Die Fähre bestand aus vier Ruderbooten, die quer aneinandergeschraubt waren und über die einige Planken genagelt waren. Angetrieben wurde das Gefährt von einem Motor, der wie ein riesiger Mixer aussah, dafür aber den Krach eines Flugzeugtriebwerkes machte. Es dauerte insgesamt eine halbe Stunde bis wir auf der anderen Seite angekommen waren. Wie wir jetzt erfuhren, lagen noch fünf weitere Überquerungen vor uns. An den Flüssen gab es unzählige Stände, an denen Kinder kühles Wasser, frische Annanas oder irgendwelche Köstlichkeiten mit Reis verkauften. Außerdem boten sie uns Hängematten an um uns von den Busstrapazen zu erholen, während wir für ein paar Cent speisten wie die Könige. Mit einem Ohr hörte ich das Österreicher Pärchen immer noch über die Hitze klagen, doch in meiner Hängematte schaukelnd blickte ich auf den Fluss und die Palmen die über dem Wasser baumelten. Ich war im Paradies. Erst der Geruch meines vor Schweiß triefenden T-Shirts holte mich in die Gegenwart zurück. Auf dem letzten Stück unserer Fahrt saß ich neben einem Schweden, der mir ein (wie sich später herausstellen sollte) sehr cooles Guesthouse in Phnom Phen empfahl und mir vorschwärmte wie toll es doch sei, mit dem Boot nach Sihanouk Ville zu fahren... Nach neun Stunden hatte ich mein Ziel erreicht und ließ mich von einem Moto-Taxi ans Meer bringen...

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Comments

Im glad I finally signed...
I could not resist commenting. Very well written!
BHW (Gast) - 30. Mrz, 08:09
Also das Video ist leider...
Also das Video ist leider nicht mehr existent, sehr...
FeliStruck (Gast) - 26. Jan, 10:27
Witziger Begleiter
So ein guter Begleiter macht schon viel aus und da...
Gabi (Gast) - 19. Jan, 11:27

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